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Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören

10. August 2010

Mein Lieblingsurlaubsschmöker: Eine wundervolle Liebesgeschichte im fernen Birma, voller Magie und Weisheit.

Vor vier Jahren ist der Vater der jungen New Yorker Anwältin Julia spurlos verschwunden. Als ihre Mutter einen vierzig Jahre alten Liebesbrief findet, adressiert an eine Unbekannte in Birma, macht Julia sich auf die Suche und reist in das Land ihres Vaters und zu der unbekannten Adressatin. In Kalaw, einem  Bergdorf in Birma, begegnet sie in einem Teehaus dem alten U Ba, der sie zu kennen scheint und ihr eine Geschichte erzählen möchte. Nach anfänglichem Misstrauen lässt Julia sich darauf ein und U Ba erzählt ihr bei zahlreichen Treffen die geheimnisvolle Geschichte ihres Vaters.

Zuerst ist sie befremdet von den Erzählungen und von dem so ganz anderen Land, von den Geheimnissen ihres Vaters. Doch je tiefer sie in seine Lebensgeschichte eindringt,  desto mehr erkennt sie ihn wieder und erkennt ihn gleichzeitig neu für sich. Die Geschichte ihres Vaters ist vor allem eine wunderschöne Liebesgeschichte: die Liebe zwischen dem blinden Klosterschüler Tin Win und der lebensfrohen Mi Mi, die nicht laufen kann. Tin Win verliebt sich als erstes in den Herzschlag von Mi Mi und gemeinsam entdecken sie die Umgebung des Bergdorfes, die Augen Mi Mis sehen für beide, und Tin Wins Füße tragen sie.

Tin Wins Lebensgeschichte ist aber, bevor er Mi Mi kennen lernt,  auch eine Geschichte von Aberglaube, von Verlassenwerden und der Macht der Selbstaufgabe. Erst der blinde Mönch U May und seine Lebensweisheit holen Tin Win zurück ins Leben und zu den Wundern der Bücher und seiner Umgebung. Tin Win entdeckt seine Welt ganz neu, gewinnt das absolute Gehör und mit ihm lässt sich der Leser von der Schönheit der kleinen Dinge verzaubern.

Dieses Buch ist voller Herzenswärme, es geht nahe und tut gut, denn es öffnet den Blick für das Wesentliche. Für die  Magie des Lächelns, die Wunder des Lebens und die Schönheit  in den Menschen. Es geht um buddhistische Weisheiten um birmesische Märchen und eine unsterblichen Liebe, der nichts etwas anhaben kann. „Das Herzenhören“ ist für mich  ein bißchen wie „Der kleine Prinz“ aus Birma, denn es erzählt auch von dem wirklich Wichtigen im Leben. Vom Sehen mit dem Herzen.

Goldmann TB 2004, 287 Seiten

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