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Tana French: Grabesgrün & Totengleich

7. November 2011

Ich bin wirklich keine Krimileserin und deswegen „verirre“ ich mich auch nur selten in dieses Genre. Aber Tana French hat mich gereizt, hier also gleich eine Doppelempfehlung:

Ihr Erstling „Grabesgrün“ ist viel mehr als eine klassische Krimigeschichte, für mich hauptsächlich das Porträt einer tiefen Freundschaft zwischen Mann und Frau und die Erzählung einer verlorenen Kindheit. Aber das herausragende ist definitiv ihre Sprache und ihr Vermögen sich so lebensnah in Menschen hinein zu fühlen.

Rob Ryan ist ein irischer Ermittler, der Menschen nicht nah an sich heran läßt. Ein 12-jähriges Mädchen wird in seinem früheren Heimatort ermordet und auf einem Ausgrabungsaltar aufgebart. Für Rob birgt der Wald neben der Ausgrabungsstätte ein Trauma seiner Kindheit, das er bisher immer sicher unter Verschluss gehalten hatte. Doch seiner Polizeipartnerin und besten Freundin Cassie eröffnet er schließlich seine Identität und sein größtes Geheimnis. Auch sie hat Dinge erlebt, die sie das Vertrauen in Menschen verlieren ließ.

Die beiden sind ein klasse Team, voller Frotzeleien und Trinkgelagen, sind die beiden sich aber auch näher als sie sonst je jemandem waren. Für mich neben „Alle sterben auch die Löffelstöre“ eine der schönsten Geschichten einer intensiven Freundschaft zwischen Mann und Frau und ganz nebenbei  natürlich auch ein tiefgehender Krimi.

„Totengleich“, der zweite Krimi von Tana French wird diesmal aus Cassies Perspektive erzählt und lebt von seiner ungewöhnlichen Undercoverermittlung. Cassie wird als ehemalige Undercoveragentin in eine vierer Studenten-WG in einem alten irischen Herrensitz eingesetzt, da sie der ermordeten Mitbewohnerin frappierend ähnelt.

Quasi im Körper der Ermordeten beginnt sie sich in deren Leben zu schleichen und spielt die Rolle ihres Lebens. Bald verschwimmen die Grenzen und Cassie taucht so tief in das WG-Leben ein, dass sie es beinahe für ihr richtiges hält. Die anderen Mitbewohner sind fast wie eine Familie und sind sich unglaublich nah. Nicht nur Cassie sondern auch der Leser verliebt sich in dieses alte charmante Haus und in die Freundesclique. Nicht ganz so stark wie ihr Erstling wird „Totengleich“ trotzdem von Frenchs ausgefeilter Sprache beherrscht und ihrem Talent sich in das Innerste von Menschen hineinzuversetzen. Es geht um angenommene Lebensrollen, um die Flucht vor Nähe, ums wieder heil werden.

Fischer TB 2009, 704 Seiten + Fischer Taschenbuch 2010, 783 Seiten

♥♥♥♥♥ und ♥♥♥♥

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