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Adam Ross: Mr. Peanut

27. April 2011

„Als David Pepin zum ersten Mal von der Ermordung seiner Frau träumte, trat er nicht selbst als Täter auf. Er träumte von höherer Gewalt im richtigen Augenblick.“ Ein abgründiger, intensiver Roman über die Liebe und ihr Scheitern. Über Gewohnheit und Neuanfang. Eine Mischung aus Krimi und Beziehungsstudie. Beeindruckend.

David und Alice sind seit 13 Jahren verheiratet und er kann sich ein Leben ohne seine Frau nicht vorstellen. Doch unter der Oberfläche brodeln die Fehlgeburten, die Diätbemühungen seiner Frau, ihr Schweigen, und der Computerspieleentwickler David phantasiert insgeheim vom Ableben seiner Frau. Dann erstickt Alice am Küchentisch und David ist der Hauptverdächtige.

„Mr. Peanut“ ist Liebesgeschichte und Ehegeschichte zugleich, die Institution Ehe wird regelrecht auseinandergenommen, Abgründe, Bedürftigkeiten werden aufgezeigt. Aber auch das gemeinsam Wachsen, das Warten, das Verzeihen. Adam Ross gelingt es dieses „nicht mit aber auch nicht ohne den anderen“ in den Geschichten dreier Ehen deutlich werden zu lassen. Erzählt wird die Geschichte von David und Alice aber auch zwei weitere Ehen werden porträtiert. Die Ehen der beiden Ermittler im Mordfall Pepin. Hastroll und Sheppard kennen die Abgründe einer Ehe nur zu gut aus eigener Erfahrung. Drei Ehefrauen werden in „Mr. Peanut“ tatsächlich oder in Gedanken umgebracht. Die Männer machen die Erfahrung, dass sie ihre eigene Frau nicht mehr kennen. Hastrolls Frau und Alice ziehen sich zurück ins „Nichts“ und Schweigen. Es geht um Entfremdung, um Affären, um Sprachlosigkeit. Aber auch um das Zurückkehren zum Anfang der jungen Liebe.

Ein außergewöhnliches Buch, dass gekonnt menschliche Liebesbeziehungen demontiert, von den tiefsten Ängsten berichtet und sich den Verstrickungen aus Erwartungen und Abhängigkeiten widmet. Wie Wellen, kreisförmig überlappend breitet sich die Geschichte einer Ehe aus, im Grunde sind die drei Ehen, Facetten von einer. Adam Ross ist ein vielschichtiges, künstlerisches Buch gelungen, allein die vielen Enden und Interpretationsmöglichkeiten fordern den Leser heraus. Ein hartes Buch, das in die Tiefe geht und begeistert durch die Sprache, die detailreichen Beobachtungen menschlicher Beziehungen sowie den scharfen Blick des Autors.
Fünf von fünf Herzen

Piper 2011, 496 Seiten

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