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John von Düffel: Houwelandt

11. August 2009

HouwelandtEin genialer Roman über die Familie, über deren Fallstricke, deren Erbe, dem Ausbrechen aus Rollen, Konflikten und dem Verbindenden.

Jorges, der Großvater und Patriarch der Familie, kann nicht lieben nur entbehren. Seinem erstgeboren schwachen Sohn Thomas kann er nur Verachtung entgegenbringen, das einzige was für ihn zählt sind Stärke, Diziplin und die Fähigkeit Schmerz zu ertragen. Der weiche, lebensuntaugliche Sohn Thomas  ist ein Träumer und aus Sicht seines eigenen Sohnes ein Versager. Arbeitslos, ohne Pläne, vor sich hinlebend, im Glauben irgendwann die Doktorarbeit mal zu beenden. Christian, der Sohn von Thomas fühlt sich für seinen Vater verantwortlich  Er denkt von sich als starker Gewinnertyp der bald erschrocken ist von den Parallelen zu seinem Großvater, als er darüber nachdenkt selbst eine Familie zu gründen.

Esther will den achtzigsten Geburtstag ihres Mannes Jorges feiern und fliegt nach Norddeutschland um auf dem Familiensitz alles vorzubereiten. Jorges bleibt auf der südeuropäischen Insel und verbringt seine Tage mit seinen großen Leidenschaften dem Schwimmen und dem Gärtnern. Während der Geburstagsvorbereitung hält Esther Rückblick auf ihre Ehe mit einem stolzen Mann ohne die Fähigkeit zu lieben, die Familie und ihre Rolle darin. Sie lernt ihren Enkelsohn richtig kennen und Christian gewinnt ganz andere Sichtweisen über seinen Vater, denn hinter dem Versager steckt ein liebender Vater, der ganz bewusst Christian vor Jorges beschützt hat.

Die Perspektiven und Erzähler wechseln sich in dem 3-Generationenroman ab, mal ist Jorge der Erzählende, mal Thomas, dann ist ein anderes Kapitel aus der Sicht Esthers geschrieben, oder aus Christians Perspektive. So entsteht ein komplexes Bild der Familie Houwelandt mit all den Verstrickungen, dem vererbten Verhaltensweisen, den Ausbruchversuchen von Thomas, den Auseinandersetzungen, den Vater-Sohn-Konflikten.

John von Düffel hat einen harten, nachdenklichen Familienroman geschrieben, der unter die Haut geht, ernst, echt und die Familie hinterfragend. Klug komponiert, geschickt Sichtweisen entlarvend und umdrehend, mit greifbaren Charakteren in ihrer ganzen Komplexität, ihren Schwächen und Stärken, ihrem Gefangensein im Familienthema.

320 Seiten, dtv 2006

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