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Marcelle Sauvageot: Fast ganz die Deine

24. Januar 2011

Marcelle Sauvageot erkrankt mit 26 Jahren an Tuberkulose und reist 1930 in ein Sanatorium. Dort erwartet sie ein Brief ihres Verlobten, der ihr mitteilt, dass er eine andere heirate. Die junge Frau schreibt einen Brief an ihren Geliebten, den sie nie abschickt, der aber posthum veröffentlicht wurde.

Ein zeitloses Stück Literatur ist entstanden über die Liebe, den Verlust, die Verzweiflung und den Weg zu sich selbst. Der Brief ist eine Liebeserklärung, ein Versuch die Verletzung und Selbsttäuschung zu verarbeiten und gleichzeitig das Zeugnis einer selbstbewussten, stolzen Frau. Sie hinterfragt  zum Beispiel die Rolle zwischen Mann und Frau, kritisiert die Art Frauen, die nur mit den Gedanken ihrer Männer denken können, und die Männer, die erst das eigenwillige, selbstbewusste an einer Frau lieben, zum Heiraten aber doch lieber den angepassten, sanften Typ wählen. Gleichzeitig  erzählt sie aber auch liebevolle Erinnerungen an die verlorene Liebe, die mal eine Chance hatte. Und sie berichtet von ihrer Krankheit, von ihrem Kampf, ihrer Hoffnung.

Mal traurig, mal bedauernd, mal selbstbewusst und frei schreibt sie sich ihre Gedanken von der Seele, in denen sich so viele wieder finden können. Marcelle Sauvageot verpackt ihren Schmerz in klare aber sogleich  poetische Worte und Bilder und zwischen den Zeilen lässt sich auch eine unheimliche Lebensfreude und Lebenslust spüren.

Zwei  meiner Lieblingsstellen:

„Ich versuchte, mir einen kleinen Halt außerhalb von Ihnen zu bewahren, um mich an dem Tag, da Sie mich nicht mehr lieben würden, daran festklammern zu können … was ich im Leid wiederfinden können wollte, war ich selbst. Ich wollte mich auf mich selbst zurückziehen können, alleine mit meinem Schmerz, meinen Zweifeln, meinem fehlenden Glauben. Weil ich mich spüre, habe ich in der Not die Kraft weiterzumachen. Wenn alles sich ändert, wenn alles mir weh tut, bin ich doch selbst noch bei mir. Um mich ganz zu verlieren, hätte ich sicher sein müssen, daß ich mich nicht mehr brauche.“ S. 28

„Die Vergangenheit will sterben. Seit vielen Monaten schon kämpf ich, ohne es zu wissen dagegen an.“

Bewertung ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ 5 von 5 Herzen

dtv 2006, 107 Seiten

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