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Michael Kumpfmüller: Die Herrlichkeit des Lebens

6. Dezember 2011

In den letzten Monaten  waren gute Bücher dabei aber kaum eines, das mich wirklich begeistert hat, deswegen hier eine längst überfällige Rezension eines Lieblingstitels aus dem Bücherherbst:

Die letzte Liebe Kafkas oder ein zeitloser, nahegehender Roman darüber, den richtigen Lebenspartner gefunden zu haben. Franz Kafka lernt Dora Diamant 1923 im Ostseebad Müritz kennen und zwischen den beiden entspinnt sich eine intensive Liebesgeschichte. Sie gehen zusammen das Wagnis ein im inflationsgeplagten Berlin zusammenzuziehen mit Kafkas Tuberkulose als ständiger Begleiter. Doch die beiden brauchen nicht viel, sie haben sich gefunden und zehren voneinander und genießen die Zeit, die noch bleibt, allen Widernissen zum Trotz.  Die zupackende, sanfte und mutige Dora bleibt an Kafkas Seite in den anschließenden Sanatorien und bis ganz ans Ende.

Wenn Dora ihn küsst ist wieder Sommer. Sie ist die erste Frau mit der Kafka zusammenleben kann und will und mit der er sich von seiner Familie löst. Es ist sein Wagnis: Dora und das Leben. Obwohl der Roman von Verlust und Tod handelt feiert er auch „die Herrlichkeit des Lebens“, das Wunder, wenn zwei sich gefunden haben mit all ihren kleinen Momenten des Glücks.

Fliegend wechselt Michael Kampfmüller zwischen Dora und Franz, zwischen Gedankenrede, Minidialogen oder  Briefauszügen und lässt so ein unglaublich greifbares Bild dieser besonderenLiebe entstehen. Er hat den Roman in drei Teile unterteilt: KOMMEN, BLEIBEN und GEHEN. Die Liebe, die Krankheit, die Hoffnung.

„Die Herrlichkeit des Lebens“ schildert auch Kafkas  Angst vorm Scheitern, den Druck zu schreiben und nicht zu können. Auch die Freundschaft zu Max Brodt und Robert sowie die bedingungslose Liebe seiner Schwester Ottilie, die ihn als einziges Familienmitglied wirklich kennt. Er erzählt vom Sterben, von kraftzehrender Pflege aber dann ist da auch wieder ein Hoffnungsblitz, ein kindliches Lachen des Geliebten oder ein zeitloses  Jung- und Verliebtsein  im Angesicht des Todes. Dieser Roman macht definitiv Lust auf Kafka, gerade weil er ganz andere Seiten an ihm hervorbringt. Dora Diamant und Franz Kafka haben noch nicht einmal ein komplettes Jahr gemeinsam gehabt , doch sie haben es intensiv gelebt und das Beste im Anderen hervorgeholt.

Kiepenheuer & Witsch 2011, 256 Seiten

 

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