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Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels

19. August 2009

Ein reiches vornehmes  Stadthaus in Paris, eine Concierge, die alles tut um den Klischees ihres Berufes gerecht zu werden, um ihr Geheimnis für  sich zu bewahren. Sie ist sehr gebildet , liest die großen Philosophen und Literaten und analysiert treffend die reichen Mieter in dem Haus.  Dann ist da noch die zweite Heldin des Romans, Paloma 12 Jahre alt, die an ihrem 13 Geburtstag Selbstmord begehen will, da sie dem unvermeidlichen Goldfischglas als Endstation des Lebens entgehen will.

Als der sympathische Herr Ozu in das Haus zieht, bröckelt allerdings die Fassade der beiden, denn Herr Ozu ist sehr aufmerksam und ihm entgeht nicht, dass die Concierge Renee jemand anderes ist, als sie zu sein vorgibt, und dass  Paloma sehr intelligent  aber enttäuscht von der Sinnlosigkeit des Erwachsenenlebens  ist. Herr Ozu errät, dass der Kater der Concierge nach einer Figur aus Anna Karenina benannt ist und stellt fest, dass  sie beide eine Vorliebe für klassische Musik haben. Dieser aufmerksame und gebildete Japaner verzaubert das Leben von Renee und hilft dabei, dass sich Renee und die altkluge  Paloma anfreunden. Denn bald durchschauen die beiden das Rollenspiel der anderen, denn hinter der ungepflegten, dummen Concierge und der mittelmäßigen, stillen  Schülerin steckt viel mehr als die nähere Umgebung ahnt.

Der Einstieg ist etwas schwieriger, da erst einige philosophische Abhandlungen im Vordergrund stehen, die noch nicht wirklich zeigen wohin die Geschichte geht und welche Vielseitigkeit und Faszination in ihr steckt. Aber wenn dann das erste Kapitel aus Palomas Sicht kommt, ist man schnell eingenommen von ihrem Sarkasmus, ihrer Sicht auf die Scheinheiligkeit der Erwachsenen und ihren Ideen. Der Roman ist eine Liebeserklärung an die Schönheit des Denkens und an die Geheimnisse die in Menschen schlummern können. Er ist philosophisch, nachdenklich dann aber auch wieder voller Humor und Wärme. Gerade die abwechselnde Sicht von der 54-jährigen Concierge Renee und der 12-jährigen Paloma auf die Welt und speziell das kleine Universum des Stadthauses mit ihren exzentrischen Bewohnern, machen den Reiz des Buches aus. Es ist auch ein Spiel mit Rollen, Fassaden, Vorurteilen und über die  Kunst des genauen Hinsehens.

364 Seiten, Deutsche Taschenbuch Verlag 2008

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