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Roberto Cotroneo: Diese Liebe

19. Oktober 2010

Flatternde Poesie eingefangen zwischen Buchdeckeln, ein Buch dessen Zeilen klingen.

Edo liebt Anna und Anna liebt Edo. Gemeinsam führt das Paar eine Buchhandlung im Süden Italiens, hält die Poesie am Leben und zieht zwei kleine Töchter groß. Doch eines Morgens wacht Edo auf und hat alles vergessen, zwei Tage später ist er verschwunden, unauffindbar.

Eine Geschichte des Wartens, des Hoffens und eine Sammlung vieler kleiner Liebeserklärungen. Anna zehrt von ihrer Liebe zu Edo und gestaltet sich eine Zukunft, aus Vergangenheit gemacht. Da sind die Erinnerungsorte, die sie besucht, seine Bücher in denen sie ihn wieder findet, ein Holzstöckchen am Strand mit dem er gezeichnet hat, ein Lächeln. Das Etikett seiner Whiskeyflasche, das schwarze Telefon im Flur, aus dem so oft seine Stimme kam. Anna bildet einen Baum aus seinen Fotos, aus all den gesammelten Augenblicken. „In meiner Einrichtung des Nichts“, „In meine Einrichtung des Wartens“, sammelt sie Momente, Gegenstände, alles was sie erinnert und die gemeinsame Vergangenheit ausmacht. Am Ende des Buches gewinnt man noch einmal einen ganz anderen, überraschenden Blick auf die Geschichte von Anna und Edo.

Aber dieses Büchlein ist nicht melancholisch, wie es vielleicht gerade anmutet, sondern es ist die Geschichte einer große Liebe, die Anna glücklich macht, auch als sie nicht mehr unmittelbar greifbar ist. Sie erinnert das Kennen lernen zwischen Fußballpoeten und Griechischlehrerin , die Eröffnung der Buchhandlung, den ersten Tag am Strand und all die vielen kleinen Momente und Augenblicke zwischen ihnen. Eingebettet in die erinnerten Momentaufnahmen sind zahlreiche poetische Buchzitate, die Edo und Anna sich gegenseitig zum Geschenk gemacht haben.

Es war genau der richtige Zeitpunkt für mich und diese kleine Buch, es bringt etwas in einem zum Schwingen, in Leuten, die Worte lieben. Die Wörter umfließen einen, umschweben einen und öffnen einen für die Wunder der Sprache. Roberto Cotroneo ist es gelungen die Schönheit der Poesie erfahrbar zu machen und die Wahrnehmung für sie beim Leser zu schärfen.

Suhrkamp TB, 2009 153 Seiten

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