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Siri Hustvedt: Der Sommer ohne Männer

3. Mai 2011

„Eine Weile nachdem er das Wort Pause ausgesprochen hatte, drehte ich durch und landete im Krankenhaus. Er sagt nicht: Ich will dich nie wiedersehen, oder: Es ist aus, doch nach dreißig Jahren Ehe reichte Pause, um aus mir eine Geisteskranke zu machen, in deren Hirn die Gedanken platzten, wild herumfuhrwerkten und voneinander abprallten wie Popcorn in einer Mikrowellentüte.“

Die Lyrikerin Mia wird von ihrem Mann verlassen für seine deutlich jüngere Laborassistentin. Nach einem Nervenzusammenbruch reist Mia den Sommer über in ihre Geburtsstadt Minnesota und verbringt viel Zeit mit ihrer Mutter und deren Freundinnen, leitet einen Lyrikworkshop für Schülerinnen und freundet sich mit ihrer Nachbarin Lola an. Es ist ein Sommer ohne Männer, in dem Mia sich auf sich selbst besinnt und über die Stärken und Geheimnisse der Frauen in ihrer Umgebung und Frauen generell reflektiert. Die Freundinnen ihrer Mutter alle um die 90, liebevoll nennt Mia sie die fünf Schwäne, bergen ihre ganz eigenen Überraschungen. Die „geheimen Vergnügungen“ von Abigail wird man nie vergessen. In diesem Sommer befreit Mia sich von der Ehe und hinterfragt menschliche Beziehungen, die weiblichen Rollen und die Abhängigkeiten. Sie begegnet Ängsten aus ihrer Kindheit und entdeckt die Lebensfreude in geheimen Dingen. Ohne Kitsch oder dem typischen Geschlechtergeplänkel, erzählt mit Mia eine Figur, die die ungewöhnlichsten Verbindungen schafft zwischen Philosophie, Naturwissenschaften, den Künsten und dem eigenen Erleben. Der Leser begleitet die dichtende Mia in diesem Sommer in dem sie sich gesund schreibt.

„Der Sommer ohne Männer“ ist sarkastisch, nachdenklich, witzig, ehrlich und eine wahre Fundgrube für Ideen rund ums Thema Geschlechterkrieg. Voller Sprünge, Versatzstücken, Wissenschaftsfakten und wunderschönen Gedanken, durcheinandergewirbelt von einer klugen und zugleich verletzlichen Heldin, die einen daran teilhaben lässt, was es bedeutet wieder zu sich selbst zurück zu finden.

Rowohlt 2011, 304 Seiten

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