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Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer

12. August 2009

Ein Buch über die Sprache der Dinge, über die Geschichten hinter den Menschen die nicht gleich sichtbar sind. Es ist eine ziellose Reise zweier Geschwister und ihres Vaters durch das Ungarn der 50er und 60er Jahre. Die Mutter hat die Familie verlassen und die drei versuchen auf unterschiedliche Weise damit klarzukommen.

Erzählt wird die Geschichte aus der kindlichen Perspektive Katas, von all den Familien und Menschen bei denen sie für kurze Zeit unterkommen, die ihnen ans Herz wachsen, von dem Haus am See, den Sommern am Wasser. Jeder dieser Menschen hat seine eigene Geschichte und gerade das, was nicht erzählt wird, was man erahnen kann, macht deren Faszination aus. Es geht um die Wirklichkeit, um das, was uns wirklich hält, um Familie und um das Warten und Treiben lassen. Ihr jüngerer zerbrechlicher Bruder Isti kann die Sprache der Dinge hören, die Gegenstände sprechen zu ihm. Er entdeckt das Schwimmen für sich, genau wie sein Vater schwimmt er dann der Wirklichkeit davon. Der Vater Kalman taucht oft, am Tisch sitzend taucht er ab und ist nicht mehr da, mit der Mutter die gegangen ist, ist auch seine große Liebe verschwunden. Es ist die Geschichte einer Kindheit zwischen Warten neuen Aufbrüchen, Fliehen und dem langsamen Entgleiten eines geliebten Menschens.

Das besondere an diesem Buch ist die Sprache, erzählt in kurzen Absätzen die alle kleine Momente und Erinnerungen wiedergeben. Eine klare Sprache voller Poesie, melancholisch und unverwechselbar. Die Bilder, die beim Lesen enstehen, vergisst man nicht so leicht, Sätze die einen festhalten. Wirkliches Können voller Originalität und Zauber.

“Der Klang von Zsuzsa Bánks Roman > Der Schwimmer< ist mit einem Wort nicht zu fassen. Er gleicht dem Wellenschlag am Seeufer in einer windstillen Nacht, so gleichmäßig und beruhigend, daß man Stunden lauschen möchte und darüber vergessen könnte, dass eine Tragödie ist, was hier geschieht.“ FAZ

Für ihren Debütroman „Der Schwimmer“ wurde Zsuzsa Bánks mit dem Deutschen Bücherpreis, dem aspekte-Literaturpreis, dem Jürgen Ponto-Preis und dem Mara Cassens-Preis ausgezeichnet.

286 Seiten, Fischer Taschenbuch 2005

Ein Kommentar zu “Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer”

  1. am 28. April 2010 um 14:55 1.Ada Mitsou schrieb …

    Eine sehr schöne Rezension! Ich habe die Geschichte vor längerer Zeit als Hörbuch gehört und das Erzählte ähnlich empfunden wie du. Vielleicht ist das Buch nicht durchweg perfekt, aber aufgrund seiner besonderen Atmosphäre in jedem Fall empfehlenswert!