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Andrew Kaufman: Nach dir die Sintflut

8. September 2010

Wie schon bei „Alle meine Freunde sind Superhelden“, versammelt Andrew Kaufmann auch in seinem zweiten Buch  wieder die ungewöhnlichsten Charaktere:

Rebecca hat ein Problem, jeder kann ihre Gefühle mitfühlen, sie kann nichts verbergen und je stärker ihre intimsten Gefühle sind, umso mehr Menschen bekommen sie umso intensiver mit. Ihre einzige Rettung ist, dass sie herausgefunden hat, dass sie Gefühle in Gegenständen speichern kann, so dass andere ihre Gefühle nicht mehr unmittelbar mitbekommen. So lagern in einem Self-Storage-Lager hunderte an Kisten mit Rebeccas Gefühlen. Doch dann ist ihr Lagerraum von einem Wasserschaden betroffen und Rebecca trifft eine folgenschwere Entscheidung.

Stewart liebt Rebecca, und hat sie trotzdem verlassen,  er  wartet immer noch darauf, dass sie ausspricht und zeigt, was sie für ihn fühlt. Er führt die liebevollsten, verständnisvollsten Telefonate mit Rebecca, und wartet.  Derweil arbeitet er in einem unbesuchten Hotel und baut ein Segelschiff.

Ein ichbezogener Mann, schwänzt die Beerdigung seiner Frau. Ihm gibt sich eine heruntergekommene Frau, die plötzlich überall auftaucht als Gott aus und er verliert seine Sinne, erst Sehsinn, dann Gehör, bevor er mit trauern anfangen kann.

Aby, vom Wasservolk der Aquatics, möchte ihre Mutter vom Land zurück unter Wasser holen, und begibt sich auf einen aufregenden Roadtrip, als grünschimmerndes Wesen mit Schwimmhäuten ein Auto zu klauen und anschließend zu fahren ist gar nicht so einfach. Am Ende muss sich die gläubige Abby, die Frage stellen, ob sie sich selbst retten wollte oder ihre Mutter.

Eine grünhäutige alterslose Frau beisitzt  ein Hotel,  in dem niemand absteigt und wartet auf den Tod.

Dann sind da noch zwei Regenmacher, Vater und Sohn, die sich zerstritten haben und doch gemeinsam eine Sintflut verursachen.

All diese Charaktere sind auf die eine oder andere Weise miteinander verbunden. Es geht darum was Gefühle ausmacht, was sie anrichten und was passiert, wenn eine Rebecca, mit ihrer besonderen Gabe,  ihre komplette gespeicherte Gefühlsvergangenheit in den Müll schmeißt. Oder, was der Beerdigungsschwänzer alles ausblenden und hinter sich lassen muss, um überhaupt etwas zu fühlen.

Es geht außerdem um Religion, Angst und Schicksal. Gekonnt miteinander verwoben. Voller starker Bilder, Stellen zum Schmunzeln und Helden, die man manchmal einfach umarmen könnte.

Der zweite Roman ist etwas schwächer als „Alle meine Freunde sind Superhelden“, mit einigen kleinen Unstimmigkeiten bei den Charakteren und einigen weggelassenen Handlungszügen. Etwas mehr Zeit hätte ihm gut getan.  Aber trotzdem wieder ein phantasievolles  Buch, das berührt,  voller ungewöhnlicher Ideen und Figuren. Und einem wunderschönen wiederkehrenden Regenmotiv.

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