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Astrid Rosenfeld: Adams Erbe

7. März 2011

Von einem Adoptivvater, der den Elefanten vorsingt, von einer eigensinnigen, scharfzüngigen Großmutter, von verträumten Rosenzüchtern, einem Kind, dass in einem Schrank wohnt, von Liebe, von Verlust und von leuchtenden Kindheitshelden.

„Adams Erbe“ erzählt  von zwei jungen Träumern, von Neffe und Großonkel, deren Geschichten durch ein wieder gefundenes Vermächtnis verbunden werden.

Im ersten Teil berichtet Edward Cohen von seiner abenteuerlichen Kindheit und seiner anschließenden Sinnsuche, bis ihm bei der Räumung des großmütterlichen Hauses das Vermächtnis seines Großonkels Adam in die Hände fällt. Die Geschichte des Großonkels, dessen Augen und Nase er geerbt hat und der angeblich das Leben seiner eigenen Großmutter und Mutter zerstört habe.

Der zweite Teil ist Adams Geschichte, seine behütete Kindheit, bis es auch seiner starken Großmutter nicht mehr gelingt, die schreckliche Zeit, in der sie als Juden leben, für sie alle auszusperren. Die Begegnung mit Anna, seiner großen Liebe, bis hin zu seinem freiwilligen Gang ins Warschauer Ghetto.

Das besondere an diesem Debüt sind die eigenwilligen, herausragenden Charaktere und ihre Geschichten. Keine Figur kann man vollkommen ernst nehmen, so gekonnt sind ihre hervorstechenden Eigenschaften ironisch überhöht. Trotzdem haben sie in ihrer tragischen Komik, immer auch etwas Authentisches.

Zwei besonders herausstechende Charaktere sind Jack, der Adoptivvater von Edward und Edda Klingmann, die Großmutter von Adam. Als der charmante erfinderische Jack, der so aussieht wie Elvis, seine Mutter heiratet und sein Vater wird, bricht für Edward die schönste Zeit seiner Kindheit heran. Jack, von ihm  King genannt, verzaubert seinen Alltag und seine Umgebung, wenn er singt, lacht und Charme versprüht. Wenn er Edward seine eigene Sicht auf die Weltgeschichte erzählt und für ihn die schönsten Lügengeschichten erfindet. Wenn er anstatt mit Edward gemeinsam zur Klassenfahrt zu fahren mit ihm die Opferstöcke der Region ausraubt, um der Mutter eine Reise nach Venedig zu finanzieren.

Edda Klingmann ist eine stolze, exzentrische alte Dame, die keine Angst kennt und ihren nichtsnutzigen Enkel Adam über alles liebt. Sie managt und ernährt die Familie, schafft es das ihr jüdischer Friseur zu einem Italiener wird, nennt Adolf durchgehend August und sammelt die Porträts von SS-Größen an der Wand ihres Wohnzimmers, um an ihren Gesichtern die Zukunft abzulesen. Sie sagt immer, was sie denkt, und wie, die beliebteste Bemerkung, die sie ihrem Bewunderer und jetzigem SS-Obersturmbannführer Bussler entgegenwirft ist: „Bussler, hören Sie auf mich zu langweilen.“

Astrid Rosenfeld erzählt von Schicksalsgemeinschaften, von Schicksalsehen, von scheinbar schwachen Müttern, entschwundenen Vätern und von stolzen Großmüttern. Aber vor allem von zwei Kindern und jungen Männern, verträumt und fähig zur bedingungslosen Liebe, die sich nicht nur äußerlich ähneln.

Mit einigen kleinen Längen, Sprüngen und unlogischen Stellen  erzählt, trotzdem ein sehr lesenswertes, fesselndes Debüt ( Vor allem Edwards Sinnsuche und seine kleine unglaubhafte Liebesgeschichte sind zu langatmig geraten, aber dann kommt auch schon Adams Geschichte und Edda Klingmann, und alles ist vergessen). Deswegen 4 von 5 Herzen.

Diogenes 2011, 385 Seiten

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