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Elizabeth Gaskell: North and South

22. Juli 2011

Meine romantische Seite hat eine Schwäche für BBC Verfilmungen von Literatur aus dem 19. Jahrhundert. Auch „North and South“ ist mir zuerst als Miniserie begegnet, bis ich es endlich geschafft habe das Original zu lesen.

Stolz und Vorurteil trifft auf Dickens:1855 veröffentlicht, erzählt Elizabeth Gaskell die Geschichte von Margaret Hale, einer Pfarrerstochter aus dem Süden Englands, die ihren Eltern in die fiktive Industriestadt Milton im Norden von England folgen muss. Dort begegnet sie dem rauen Baumwollfabrikanten John Thornton, der ein Schüler ihres Vaters wird, und mit dem sie sich oft anlegt auf Grund der sozialen Zustände im Norden und ihren unterschiedlichen Ansichten. Margret freundet sich mit der Arbeiterfamilie Higgins an und bekommt Innenansichten zu dem in Milton stattfindenden Streik. Doch ganz langsam muss sie erkennen, dass nicht alles so schwarz weiß zu sehen ist und auch John Thornton wirtschaftlichen Zwängen unterliegt. John Thornton, der sich von Anfang an in die stolze, diskutier freudige Magret verguckt hat, hat einen schweren Stand bei ihr bis er, bis sie es schaffen mit ihren gegenteiligen Vorurteilen aufzuräumen und sich trotz aller Unterschiede anzunähern.

Vorbild für Milton ist die Stadt Manchester, das damalige englische Zentrum für die Baumwollproduktion, Elizabeth Gaskell hat dort selbst lange gelebt und die Darstellung der schwierigen Lebensbedingungen  der Arbeiter war ihr besonders wichtig. Trotzdem zeigt sie beide Seiten und nimmt keine Partei, auch die Fabrikbesitzer und ihre Sicht kommt zu Wort. In dem Higgins und Thornton es schaffen miteinander wirklich zu reden und die Sicht des anderen kennenzulernen, schaffen sie es im Betrieb Verbesserungen einzuführen, die Arbeitern und Besitzer zu gute kommen.

„North and South“ ist ein Porträt der Industrialisierung und gleichzeitig eine Liebesgeschichte, in der ein Mann trotz Zurückweisung nicht aufhört zu hoffen. Im Grunde ist es nicht Margrets Liebesgeschichte sondern die von Mr. Thornton, der sich nicht nur in ihre Schönheit sondern vor allem in ihren Charakter, in ihre Gedanken verliebt.

Der Roman zeigt aber auch eine intensive Mutter-Sohn-Beziehung, einen zweifelnden Pfarrer, eine schwache Mutter, einen verheimlichten Bruder und eine ganze Fülle an weiteren Sozial- und Charakterstudien. Er zeichnet sich durch die gesunde Mischung aus sozialkritischen Elementen, schmöckerigen Phasen und gesellschaftlichen Beobachtungen aus.

 

Penguin Popular Classics 1994, 521 pages

 

 

 

 

 

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