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Joseph O’Neill: Netherland

16. Oktober 2011

Die Suche eines Mannes, der seine Mitte verloren hat.

Zurückgelassen von Frau und Kind inmitten New Yorks, ist da eine Leere in ihm und um ihn, die nichts zu füllen scheint. Der erfolgreiche Analyst einer großen Bank wirkt im Leben außerhalb seines Büros fast hilflos, handelt er doch kaum sondern lässt geschehen. Alles wirkt irgendwie fern, wie hinter Glas.

Hans van den Broek, gestrandeter Holländer in New York, erinnert sich Schritt für Schritt zurück zu sich selbst und was ihm dabei am meisten hilft ist der Sport seiner Kindheit. Cricket. Er wird Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft von Immigranten, die unter widrigen Bedingungen diesen traditionsreichen Sport aufrecht erhalten.

Und dann ist da Chuck Ramkissoon ein Träumer, umtriebiger Unternehmer und Visionär aus Trinidad, der für Abwechslung in Hans Leben sorgt. Besitzer einer koscheren Sushiladens, Vogelexperte, und energiegeladener Redenschwinger mit dem Lebensmotto  „think fantastic“. Sein größtes Projekt sind Cricketmeisterschaften in New York auf seinem eigenen Feld.  Der „Macher“ Chuck und der „Analyst“  Hans freunden sich an  und so lernt letzterer ganz neue Seiten von New York kennen und taucht ein in eine Multikultigesellschaft.

„Netherland“ ist ein ruhiges Buch, es passiert nicht viel, sondern es ist eher eine Art Erinnerungsroman, zusammengesetzt aus vielen kleinen Puzzlestücken, bildet sich die Lebensgeschichte des sympathisch ziellosen Hans. Seine Erinnerungsbilder erzählen die  Geschichte einer Ehe, einer Kindheit in den Niederlanden und die einer ungleichen Freundschaft. Die Stärke des Romans sind die scharfen Beobachtungen und Bilder, die der Analyst Hans sich von der Welt, seiner Umgebung und vor allem von sich selbst macht.

 

Fourth Estate 2009, 340 pages

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