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Bertina Henrichs: Ein Garten am Meer

7. April 2011

Marthe Simonet, Mitte 60, lebt nach dem Tod ihres Mannes allein in ihrem kleinen Ferienhäuschen, direkt an der Küste der  Bretagne. Sie lebt inmitten ihrer geliebten Rosen mit den Gedanken bei ihrem Helden Pandit Nehru, dem Weggefährten Gandhis. Und zwingt sich, die durchweg disziplinierte  und damenhafte Frau zu geben, zu der sie erzogen wurde. Sie gönnt sich kaum Müßiggang  sondern gibt Nachhilfeunterricht für die Schüler des Dorfes und hilft in der Bibliothek aus. Doch durch den geplanten Bau eines Freizeitparks auf den Grundstücken in ihrer Straße und durch die nähere Begegnung mit dem wortkargen Nachbarn Hans von Scharnbeck,  wird Marthes beschauliches Leben gehörig durcheinander gewirbelt.

Ein bekanntes Thema, die Selbstbefreiung einer Frau, aber äußerst charmant und liebevoll umgesetzt. Bertina Henrichs hat sehr sympathische  verschrobene Charaktere geschaffen, die kombiniert mit der gelungenen Schilderung der wilden Natur der Bretagne, das Besondere dieses kleinen Buches ausmachen. Der deutsche Nachbar, der sich am liebsten auf seinem Boot verkriecht oder mit seinem Pferd den Strand entlang prescht, entpuppt sich während des gemeinsamen organisierten Widerstandes, als Mensch mit Freude an der Sabotage und als Brandstiftender Wegbereiter für eine junge Liebe. Hans von Scharnbeck hinterfragt die brave Marthe und schockiert sie, indem er behauptet, sie würde ihre geheimen Wünsche und Träume gar nicht kennen. Als die Nachbarschaft gemeinsam gegen den Freizeitpark demonstriert und zahlreiche Veranstaltungen initiiert, wächst Marthe regelrecht über sich hinaus und überrascht nicht nur sich selbst.

Nach „Die Schachspielerin“ wieder ein kleines Buch von Bertine Hinrichs, dass zeigt was alles verborgen in einem Menschen  liegt, und nur hervorlockt werden muss. Es zeigt was auch im Alter noch alles möglich ist, wenn Menschen mal die einengende Erziehung und den Alltag durchbrechen. Die Geschichte der späten Selbstverwirklichung einer Frau und die eines kleinen sympathischen bretonischen Dorfes.

vier von fünf Herzen ♥ ♥ ♥ ♥

Hoffmann und Campe 2011, 170 Seiten

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