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Kurzempfehlung: Lily Brett: Chuzpe

8. September 2011

Eine herrlich amüsante Vater-Tochtergeschichte — träumender  Optimist  trifft auf sorgenliebende Neurotikerin. Edek ist 87 und zieht von Melbourne zu seiner Tochter nach New York und mischt fort an ihr sorgfältig geplantes Leben durcheinander. Ihre kleine Firma, die sich auf Briefkarten spezialisiert hat, erfreut er durch seine Einkaufsideen à la Loriot und spätestens als er mit der 69jährigen Polin Zofia zusammenzieht, gerät für seine ängstliche Tochter Ruth ihre Welt aus den Fugen. Edek ist nämlich kein typischer Rentner, den Ruth in Seniorenvereinen beschäftigen kann,  sondern er steckt voller Lebensfreude, Tatkraft und verrückter Ideen. Gemeinsam mit Zofia plant er, ohne jegliche Erfahrung, das Restaurant „Klops braucht der Mensch“ zu eröffnen, mit ihm als Oberkellner und Zofia als begnadete Köchin von Klopsen.

Ruth kommt aus dem „Sich-Sorgen-Machen“ gar nicht mehr raus und ist heillos überfordert mit der neuen Beziehung ihres Vaters. Die zupackende, direkte, aufreizende  Zofia, die nun das Leben ihres Vaters managt und  ein Restaurant stemmt, verschreckt die verklemmte Ruth.

Lily Brett konfrontiert wunderbar die Leiden der Tochter eines Holocaustüberlebenden und die Selbstzweifel  einer Frau in den Wechseljahren mit dem Charme und der lebensfrohen Spontanität zweier so ganz anderer Rentner. Hier ist es anders herum und der Vater glaubt an das Leben und seinen Traum und die Tochter muss sich von ihren inneren Zwängen befreien. Sehr gelungen mit seinen skurrilen Figuren und dem wunderbaren jüdischen Humor.

Suhrkamp Verlag 2007, 334 Seiten

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