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Nicholas Shakespeare: Sturm

13. Juli 2009

Die Geschichte spielt in Wellington, einem verschlafenen Nest in Tasmanien, ein abgeschiedener Ort mit seinem ganz eigenen Charme mitten in rauher Natur. Hier kennt jeder jeden, den Frauenheld und Schürzenjäger Ray, die lebensfrohe und leicht naive Tildy, die am Ende alle überrascht, den einsamen Supermarktbesitzer und Menschenkenner Mister Talbot und viele andere.

Die männliche Hauptfigur Alex verschlägt es nach einem Literaturstudium in Oxford wieder in den Ort seiner Kindheit, eigentlich wollte er nur die Farm seiner Eltern verkaufen, die er als Kind bei einem Unfall verloren hat, doch die Natur und die Farm lassen ihn nicht wieder los. Im Ort verliebt sich Alex in die geheimnisvolle Merridy, die auch einen schweren Verlust erlitten hat, mit sieben Jahren ist ihr geliebter Bruder spurlos verschwunden und nie gefunden worden. Bald heiraten die beiden und versuchen gemeinsam die Farm von Alexs Eltern auf Vordermann zu bringen, beide leiden darunter, dass es ihnen nicht vergönnt ist ein Kind zu bekommen.  Ein Sturm trägt ihnen den jungen Schiffbrüchigen Kish ins Haus, für kurze Zeit ersetzt er ihnen das fehlende Kind bis in einer verhängisvollen Nacht, alles auf den Kopf gestellt wird und lang unterdrückte Bedürfnisse an die Oberfläche gelangen.

Nicholas Shaekspeare verwebt Themen wie Leidenschaft, Sprachlosigkeit, Entfremdung und Trauma zu einem spannenden und aufwühlenden Roman. Es ist eine gelungene Beziehungsstudie: reicht die Liebe eines Partners für beide? Wie stark reicht die Vergangenheit in die Gegenwart?

Der unterschiedliche Umgang mit Verlust und Vergessen und die Macht der Erinnerung sind weitere Themen. „Sturm“ ist ein  Roman, der erst ruhig beginnt mit genauen Charakterentwicklungen, Schilderungen des Lebens auf der Farm etc.  Durch die Nacht des großen Sturm gerät dann alles aus den Fugen. Am faszinierendsten ist die Hauptfigur Alex, dieser liebevolle, zupackende Mann, der alles versucht um Merridy glücklich zu machen und erkennen muss, dass Liebe manchmal nicht ausreicht, um jemanden von seiner Vergangenheit zu befreien.

544 Seiten, Rowohlt TB 2009

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