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Philippe Besson: Einen Augenblick allein

12. August 2010

Ein trauriges, kluges Buch, das die Geschichte der  Zerstörung eines Menschen erzählt und gleichzeitig auch seine Rettung. Es ist die Geschichte eines trotzlosen Ortes, eines Lebens der Selbstaufgabe, einer vernichtenden Ehe und einer unerwarteten Liebe. Schicht für Schicht kommt man dem wahren Kern der Hauptfigur näher und doch ist hinterher alles ganz anders als man denkt.

Der Fischer Tom Sheppard kommt aus dem Gefängnis zurück, nach Falmouth, einer kleinen vor sich hin sterbenden Stadt, in Cornwell. Vor fünf Jahren ist er mit seinem Sohn während eines Sturmes ausgefahren und hat diesen durch ein Unglück ans Meer verloren. Für die Menschen aus Falmouth war es Mord, und sie machen ihn bei seiner Rückkehr aus dem Gefängnis überaus deutlich, dass er unerwünscht ist. Doch Tom Sheppard will ein neues Leben anfangen.

Es geht um Ausgrenzung, Selbstzerstörung, Einsamkeit und Sicherheit. Toms Geschichte ist die eines Ausbruchs, einer Befreiung, eines Neubeginns.

Tom Sheppard lernt in dem kleinen Ort zwei andere Außenseiter kennen, den indischen Ladenbesitzer Rarijs und die junge unverheiratete Mutter Betty. Rarijs bietet dem Ausgestoßenen Tee an  und macht ihm das Geschenk Besuch für Besuch seiner Geschichte zuzuhören. Betty macht ihm deutlich, dass er eigentlich ein Überlebender dieses Ortes ist und zeigt ihm ihr wunderschönes Lächeln. Und dann ist da noch Luke, sein Zellenmitbewohner mit den Schönheitsflecken auf den Schultern, den tiefschwarzen Augen, und dem vertrauten Schweigen.

Ein dramaturgisch klug komponiertes Buch, das einen immer wieder überrascht, das nahe geht. Diese wunderbar angedeutete Liebesgeschichte, diese leise Erzählung der gegenseitigen Rettung, ist genial.

dtv  premium 2008, 177 Seiten

Ein Kommentar zu “Philippe Besson: Einen Augenblick allein”

  1. am 13. August 2010 um 17:35 1.Ailis schrieb …

    Eine wunderschöne Rezension!