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Sara Gruen: Wasser für die Elefanten

3. August 2009

Ein buntes, sprühendes Buch, dass in eine Welt einlädt von der jeder schon mal als Kind geträumt hat, doch die Realität sieht ganz anders aus.

„Wasser für Elefanten“ ist eine Zirkusgeschichte, eine Geschichte über eine verbotene Liebe und zugleich eine Momentaufnahme der Wirtschaftskrise und des Alterns.

Nach dem plötzlichen Unfalltod seiner Eltern bricht der junge Jacob Jankowski sein Tierarztstudim ab und springt ziellos auf den nächst besten Zug. Dieser Zug ist zufälligerweise ein Zirkuszug, der quer durch Amerika reist und täglich an anderen Orten Vorstellungen gibt.  Mit viel Glück kann Jacob als Hilfsarbeiter bei Benzinis Spektakkulärster Show der Welt anfangen und dank seines Studiums, kann er sich bald hocharbeiten und wird Tierarzt der Zirkusses.

Jacob taucht in eine fremde  Welt ein, in der ganz eigene Gesetze herrschen. Hinter dem Zauber der Manege, den exotischen Tieren und der Kunst der Artisten, verbirgt sich oft ein Überlebenskampf. Der skrupellose Zirkusdirektor Onkel Al sammelt Kuriositäten für seinen Zirkus und geht schon mal über Leichen, um den Zirkus weiterleben zu lassen. Der Stallmeister August, dem Jacob untersteht, neigt  zu Zornesausbrüchen und zeigt stellenweise wahnsinnige Züge.

Jakob macht die Bekanntschaft von Rosie, einer eigenwilligen Elefantendame, deren Geheimnis er bald entdeckt und somit das Verbleiben ihm Zirkus für beide sichert. Dann ist da noch die schöne Kunstreiterin Marlena, in die Jacob sich sofort verguckt, doch leider ist sie mit dem verrückten Dompteur und Stallmeister August verheiratet. Dank seiner Freunde Camell, einem alten Arbeiter und dem Zwerg Walter findet sich Jacob immer besser in der Zirkuswelt zurecht, doch sie können ihn nicht davor bewahren, dass er sich bald in eine ausweglose und gefährliche Lage bringt. Die Frau des jähzornigen Chefs zu lieben ist nicht unbedingt eine gute Idee, um lange beim Zirkus zu bleiben.

.“Wasser für Elefanten“ ist ein Buch voller Gegensätze. Es lebt von all den kleinen unglaublichen Anekdoten rund um die Zirkuswelt, von denen sich die verrücktesten hinterher sogar als wahr herausstellen (Die Autorin hat viel recherchiert zu den Wanderzirkussen in Amerika). Es erzählt von  Leidenschaft und Abenteuer, einer verbotenen Liebe und der Zirkuswelt in den 30er Jahren.

Das besondere ist, dass es zwei Erzählebenen gibt, die des jungen 23jährigen Jacob und die des 93-jähirgen Jacobs. Gerade die Passagen mit dem alten, eigenwilligen  Mann, der im Altenheim vor sich hin lebt und die Pfleger in den Wahnsinn treibt gehören zu den humorvollsten Passagen des Buches, man muss diesen zynischen alten Mann, der um seine Selbstbestimmung und gegen das Alter kämpft  einfach lieb gewinnen. „Sie wollen mich ruhig stellen. Sie wollen aus mir ein Wackelpudding essendes Schaf machen. Ich nehme das nicht, dass sag ich Ihnen.“ antwortet er zum Beispiel, als er eine neue Tablette verschrieben bekommt. Aber die Passagen mit dem alten Jacob sind auch nachdenklich stimmend über das Alter, den körperlichen Verfall und die Schwierigkeiten geistig gesund zu bleiben, wenn alle meinen besser zu wissen, was für einen gut ist.

Auch wenn das Happy End am Ende etwas zu unglaubhaft daher kommt, gönnt man es dem alten Mann doch.

416 Seiten, August 2009 Rowohlt TB

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