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Thommie Bayer: Fallers große Liebe

18. April 2012

„Ich lebte anderswo. Nicht im eigenen Leben. In Bücher, in der Fiktion von Leben, ohne Risiko, in Deckung, ohne wirklich verletzt werden zu können … Ich begriff, dass ich Glück hatte, diesem Mann begegnet zu sein. Er war anders. Er füllte seine Konturen aus. …Faller lebte.“(S. 110f.)

Zwei Männer, ein Jaguar und eine Reise mit unbekanntem Ziel. Zuerst  hat Faller, dem jungen Antiquar Alexander seine Bibliothek zum Kauf angeboten, dann lädt er ihn spontan auf eine Reise quer durch Deutschland ein, als Chauffeur seines Jaguars. Auf diesem Road-Trip lernen sich der erfolglose lebensferne Antiquar und der charmante ältere Herr, mit dem Hang zum Gedankenlesen, immer besser kennen. Zuerst  ist es ein Umkreisen, Beschnuppern, ein Preisgeben und Entdecken bis hin zum gegenseitigen Vertrauen. In den Gesprächen geht es mal um Kleinigkeiten, aber auch um Werte, Entscheidungen und die eine große verlorene Liebe und die eine gefundene. Alexander ist faszinierter Zuhörer und Faller erzählt Anekdoten aus seinem ereignisreichen Leben, die immer mehr einen besonderen Menschen durchscheinen lassen. Manches lässt Alexander erinnern und sich selbst hinterfragen, diese Reise hinterlässt Spuren in dem Büchermenschen.

Thommie Bayer hat ein Talent, Figuren so menschlich zu erschaffen, dass sie zu Freunden werden, man quasi mit in dem Jaguar sitzt und über dies und das plaudert. Sie kommen so natürlich und greifbar daher, mit ihrem Humor, ihrer Lebensklugheit, dass man sie gerne auf diese  Reise begleitet durch Literatur, Kunst, Alltag und Geheimnis.

Piper Taschenbuch 2011, 200 Seiten

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