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Toni Jordan: Tausend kleine Schritte

29. September 2010

„Niemand bemerkte es, als ich mich in Zahlen verliebte.“ Grace Lisa Vandenburg war acht Jahre alt, als die Zahlen zu ihrer Rettung wurden. Seitdem zählt sie die Dinge in ihrem Leben, Schritte, Streusel auf dem Orangenkuchen, Borsten an der Zahnbürste, Stühle, Menschen, alles was sich einer genauen Zahl zuordnen lässt. Sie arbeitet nicht mehr als Lehrerin und widmet sich fortan ganz den Zahlen und der Ordnung, die sie ihrem Leben geben. Doch dann begegnet ihr Seamus und mit ihm die Liebe. Seamus wirbelt ihr Leben gehörig durcheinander und die gezählte Ordnung wankt, als er versucht ihr zu helfen, die Zahlen los zulassen. Denn er weiß nicht welches Lebensgeheimnis Grace überhaupt dazu gebracht hat zu zählen.

„Tausend kleine Schritte“ ist die Liebesgeschichte zwischen Grace und Seamus, aber gleichzeitig auch zwischen Grace und den Zahlen. Zahlen geben ihr Struktur, Halt und Ordnung in einer Welt, die zu früh aus den Fugen geraten ist. In dem sie sich ihre Umgebung er-zählt, schafft Grace sich Sicherheit und Kontrolle über ihr Leben. Ihr Held ist Nikola Tesla, der berühmte Erfinder der Wechselstromtechnik, des Induktionsmotors und vieler anderer bahnbrechender Erfindungen. Sie hält insgeheim Zwiegespräche mit seinem Foto auf dem Nachttisch, denn auch er war den Zahlen verfallen. Doch Seamus drängt die Zahlen und Herrn Tesla in den Hintergrund, mit seiner Wärme, seiner Lebensfreude und dem Wunsch, dass Graces Leben lebenswerter und glücklicher wird. Er ahnt jedoch nicht was passiert, wenn man Grace ihre Zahlen nimmt.

Die Geschichte von Grace und Seamus ist voller Humor, Situationskomik und tief empfundener Menschlichkeit. Die schlagfertige und phantasievolle Grace schließt man sofort ins Herz. Zusammen mit ihrer klugen zehnjährigen Nichte Lary, die ihrer Tante schon mal Lebenstipps gibt oder den hilfsbereiten Indern aus der Nachbarschaft. Insgeheim wünscht man sich, auch beim Bananenkaufen im Supermarkt einem Seamus zu begegnen, aber vielleicht hat man ja auch schon jemanden gefunden, der einen trotz oder gerade wegen der eigenen Macken und Ticks liebt. Jeder Mensch braucht Sicherheit und jeder schafft sich diese auf seine ganz eigene Art und Weise. Der Weg von Grace ist sicherlich ein ungewöhnlicher aber gleichzeitig auch unglaublich liebenswert sowie nachvollziehbar.

Toni Jordan ist mit „Tausend kleine Schritte“ eine besondere Mischung aus Leichtigkeit, Verschrobenheit, Lebensklugheit und Phantasie gelungen. Ihr Buch ist für mich schnell zu einem Herzensbuch geworden.

Piper Taschenbuch 2010, 267 Seiten

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