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Kategorie 'Gedicht der Woche'

Rainer Maria Rilke: Wenn es nur einmal so ganz stille wäre

7. Februar 2012

Bild - Gedicht der Woche

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen –

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken

und dich besitzen ( nur ein » mehr…

Ursula Krechel: Alle Leichtigkeit fort

6. Dezember 2011

Bild - Gedicht der Woche

Alle Leichtigkeit fort
Schnee pappt grau an den Sohlen
du liebtest eine Zwergin.
Die wuchs.

zitiert aus: Stechäpfel: Gedichte von Frauen aus drei Jahrtausenden, Hrsg. von Ulla Hahn, Reclam Verlag  S. 77

 

Nâzim Hikmet: Nachtgedichte an meine Liebste

18. November 2011

Bild - Gedicht der Woche

Gedichte aus dem Gefängnis an seine Frau:

1.Oktober 1945

Über dem Berg:
Es schwebt ein Wolke,
vollgesogen mit der Abendsonne, über dem Berg.

Und heute:
Ohne dich, das heißt
ohne die Hälfte der Welt, verging heute.

Knallrot blühen:
Die Trichterwinden werden bald knallrot blühen.
Die stillen, tapferen Blüten
werden unsere Trennung tragen,
die so schwer ist wie » mehr…

Christian Morgenstern: Leise Lieder

27. Oktober 2011

Diesen Sommer habe ich drei kleine Büchlein von meiner Großmutter geerbt, in die sie als junge Frau Gedichte geschrieben hat, die ihr etwas bedeuten . Beim Durchblättern entdecke ich immer wieder kleine Schätze und lerne sie als junge Frau erneut  kennen:

Bild - Gedicht der Woche

Leise Lieder

Leise Lieder sing ich » mehr…

Paul Celan: Die Jahre von dir zu mir

11. Oktober 2011

Bild - Gedicht der Woche

Wieder wellt sich dein Haar, wenn ich wein. Mit dem Blau

deiner Augen

deckst du den Tisch unsrer Liebe: ein Bett zwischen Sommer

und Herbst.

Wir trinken, was einer gebraut, der nicht ich war, noch du,

noch ein dritter:

wir schlürfen ein Leeres und Letztes.

Wir sehen uns zu in den Spiegeln » mehr…

Ich träume vom Schreiben

29. September 2011

Bild - Gedicht der Woche

Ich träume vom Schreiben, doch schreibe ich nicht.

Ich träume vom Fliegen, doch fliege ich nicht.

Träumend ich schreibe, schreibend ich fliege.

Träumend davon ich schreibe

Schreibend davon ich fliege.

Fliegen, ich träume davon.

 

von Buchmarie, Sommer 2000

Johann Wolfgang von Goethe: Freudvoll und leidvoll

15. September 2011

Bild - Gedicht der Woche

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Hangen
Und bangen
in schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
zum Tode betrübt –
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.

Johann Wolfgang von Goethe

(aus Egmont)

Teresa Truszkowska: Am Boden

1. September 2011

Bild - Gedicht der Woche

Dieser ungestillte Durst
am Boden der Krüge
Diese Wunde
am Boden der Stille
geplatzter Kristall der Luft
dem Munde unerreichbare
Kühle
vom Bewußtsein bedacht—
und ich vertiefe in mir
diese Nacht
die Grenze von Zeit und Blick
Irre
schütte den trockenen Sand um
und staune
über das abwesende Land

 

 

zitiert aus: Stechäpfel – Gedichte von Frauen aus 3 Jahrtausenden, Hrsg. » mehr…

Helena Raszka: Wecken wir nicht die Stille

31. Juli 2011

Bild - Gedicht der Woche

Wecken wir nicht die Stille,
die unter Bäumen schläft,
bedeckt von fallenden Blättern.
Morgen wird sie von raschen Schritten zertreten
—wir werden sie nicht bewahren können
mit unseren sanft verflochtenen Händen.
Wecken wir nicht die Stille —
ihr tiefer,
ruhiger Atem
verleiht den Worten
— geflüsterten Worten der Liebe —
Wohlklang und Helle,
die der Vogelgesang und » mehr…

Hilde Domin: Manchmal

22. Juli 2011

Bild - Gedicht der Woche

Manchmal
wenn Du gehst
spät in der Nacht,
lieg ich ins Ich geschmiegt
wie in ein sanftes Fell,
so getröstet wie Dein Kind
oder wie ein hilflos kleines
neugeborenes Tier
auf Deiner Hand

 

7.Januar 1952

aus: Hilde Domin: Sämtliche Gedichte, S. Fischer Verlag,  Frankfurt am Main 2009, S. 294

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