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Kategorie 'Gedicht der Woche'

Claire Goll: Unschlaflied

15. Juli 2011

Bild - Gedicht der Woche

Ich liege mit deinen Träumen
Märchen mit Wildkatzenaugen
Jede Nacht
Türkisblau Staunen
Steint
Silberne Panther fressen mein Herz
Vögel wachsen
Rosen zwitschern
Stinrschaum an goldenen Kugeln tropft
Ich liege mit deinen Träumen
Jede Nacht
Sterb ich nach dir

von 1922

 

aus: >>In roten Sonnen Schuhen tanzt die Sonne sich zu Tod<< Lyrik expressionistischer Dichterinnen, Hrsg. von Harmut Vollmer, » mehr…

Rose Ausländer: Was

1. Juli 2011

Bild - Gedicht der Woche

WAS

Was
soll ich euch schenken
außer den Lichtblumen
und Trauerblättern
meiner Worte

Ich gehöre meinen Worten,
die euch gehören

 

zitiert aus: Gedichte à la carte, DuMonts Lyrik-Kartei 2006

Clemens Brentano: Sprich aus der Ferne

19. Juni 2011

Bild - Gedicht der Woche

Sprich aus der Ferne
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt.

Wenn das Abendrot niedergesunken,
Keine freudige Farbe mehr spricht,
Und die Kränze still leuchtender Funken
Die Nacht um die schattigte Stirne flicht:

Wehet der Sterne
Heiliger Sinn
Leis durch die Ferne
Bis zu mir hin,

Wenn des Mondes still lindernde Tränen
Lösen der Nächte verborgenes » mehr…

Franz Hackel: Buchenwald

8. Juni 2011

Bild - Gedicht der Woche

Kein Vogel pfeift
Im toten Wald;
Und Nebel streift,
Durchnäßt uns kalt.
Die Nacht ist blind;
Der Tag ist grau.
Wo ist ein Kind,
Wo ist eine Frau?

In schwarzen Buchen
Heult und höhnt der Wind …

Um Weimars Hügel tanzt der Schnee im Sturm.
Es grinst der schwarze Tod vom Wächterturm.

Zwölftausend Männer frieren beim Appell;
Im » mehr…

Robert Gernhardt: Heilloser Hügel

1. Juni 2011

Bild - Gedicht der Woche

Ich auf meinem Hügel,
nackt und verletzlich.
Alles Lärmen betrifft mich,
jeder Lichtschein verletzt mich.
Jedwede Störung
verstärkt und vernetzt sich,
meint mich und trifft mich,
jagt mich und hetzt mich.
Halte sonst stand.
Nur hier nicht und jetzt nicht.
Nicht auf meinem Hügel,
nicht nackt und verletzlich.

aus: Robert Gernhardt: Gesammelte Gedichte 1954-2004, S.Fischer Verlag, Frankfurt » mehr…

Friedrich Schiller: Spruch des Confucius

27. Mai 2011

Bild - Gedicht der Woche

SPRUCH DES CONFUCIUS

Dreifach ist der Schritt der Zeit,
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit.

Kein Ungeduld beflügelt
Ihren Schritt, wenn sie verweilt.
Keine Furcht, kein Zweifeln zügelt
Ihren Lauf, wenn sie enteilt.
Keine Reu, kein Zaubersegen
Kann die stehende bewegen.

Möchtest du beglückt und weise
Endigen des » mehr…

Richard Wagner: Gedicht (für dich und auch für mich)

17. Mai 2011

Bild - Gedicht der Woche

Wir, ja, wir, mit den selbsterzogenen Gefühlen,
gehn hin, redend, ins Nichts. Und da,
ja, da ist die Macht. Und wir können nicht
bleiben. In schwarztastenden Sätzen gehn wir
der Erde, diesem taubfremden Refugium, zu.
Da ist der Mund, lippenlos, Liebling, da
ist deine Angst, keine Angst, merkst dus?
Ein Kieferknochen, Annäherung » mehr…

Annette von Droste-Hülshoff: Am Turme

12. Mai 2011

Bild - Gedicht der Woche

Ich steh auf hohem Balkone am Turm,
Umstrichen vom schreienden Stare,
Und laß gleich einer Mänade den Sturm
Mir wühlen im flatternden Haare;
O wilder Gesell, o toller Fant,
Ich möchte dich kräftig umschlingen,
Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand
Auf Tod und Leben ringen!

Und drunten seh ich am Strand, » mehr…

Novalis: Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren

3. Mai 2011

Bild - Gedicht der Woche

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die so singen, oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurückbegeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit wieder gatten,
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die » mehr…

August Stramm: Dämmerung

27. April 2011

Bild - Gedicht der Woche

Hell weckt Dunkel
Dunkelt wehrt Schein
Der Raum zersprengt die Räume
Fezten ertrinken in Einsamkeit
Die Seele tanzt
Und
Schwingt und schwingt
Und
Bebt im Raum
Du!
Meine Glieder suchen sich
Meine Glieder kosen sich
Meine Glieder
Schwingen sinken sinken ertrinken
In
Unermeßlichkeit
Du!

Hell wehrt Dunkel
Dunkel frißt Schein!
Der Raum ertrinkt in Einsamkeit
Die Seele
Strudelt
Sträubet
Halt!
Meine Glieder
Wirbeln
In
Unermeßlichkeit
Du!

Hell ist Schein!
Einsamkeit schlürft!
Unermeßlichkeit strömt
Zerreißt
Mich
In
Du!
Du!

aus: Menschheitsdämmerung – Ein » mehr…

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