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Ingeborg Bachmann: Eine Art Verlust

7. Februar 2011

Bild - Gedicht der Woche

Gemeinsam benutzt: Jahreszeiten, Bücher und
eine Musik.
Die Schlüssel, die Teeschalen, den Brotkorb, Leintücher
und ein Bett.
Eine Aussteuer von Worten, von Gesten, mitgebracht,
verwendet, verbraucht.
Eine Hausordnung beachtet. Gesagt. Getan. Und immer
die Hand gereicht.

Im Winter, in ein Wiener Septett und in Sommer habe
ich mich verliebt.
In Landkarten, in ein Bergnest, in einen Strand und
in ein Bett.
Einen Kult getrieben mit Daten, Versprechen für
unkündbar erklärt,
angehimmelt ein Etwas und fromm gewesen vor einem
Nichts,

(-der gefalteten Zeitung, der kalten Asche, dem Zettel
mit einer Notiz)
furchtlos in der Religion, denn die Kirche war dieses
Bett.
Aus dem Seeblick hervor ging meine unerschöpfliche
Malerei.
Von dem Balkon herab waren die Völker,
meine Nachbarn, zu grüßen.
Am Kaminfeuer, in der Sicherheit, hatte mein Haar
seine äußerste Farbe.
Das Klingeln an der Tür war der Alarm für meine Freude.

Nicht dich habe ich verloren,
sondern die Welt.

aus
Liebesgedichte von Frauen, Insel Taschenbuch 2009, S. 142f.

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