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Nâzim Hikmet: Nachtgedichte an meine Liebste

18. November 2011

Bild - Gedicht der Woche

Gedichte aus dem Gefängnis an seine Frau:

1.Oktober 1945

Über dem Berg:
Es schwebt ein Wolke,
vollgesogen mit der Abendsonne, über dem Berg.

Und heute:
Ohne dich, das heißt
ohne die Hälfte der Welt, verging heute.

Knallrot blühen:
Die Trichterwinden werden bald knallrot blühen.
Die stillen, tapferen Blüten
werden unsere Trennung tragen,
die so schwer ist wie die Trennung von der Heimat …

10. Oktober 1945

Wenn ich deine Augen betrachte,
füllt ein sonniger Erdgeruch meinen Kopf
und ich gehe in einem Weizenfeld
zwischen den Ähren verloren.

Wie ein unendlicher Abgrund voll mit grünem Glanz,
wie die ewige, sich ständig verändernde Materie
sind deine Augen,
die ihr Geheimnis jeden Tag etwas mehr enthüllen,
aber sich nie preisgeben werden …

 

Meine Lieblingszeile:

„Der Ast eines Kirschbaums wird nicht zweimal vom selben Wind bewegt“ S. 30

 

Nâzim Hikmet wurde als linker oppositioneller Dichter mehrfach verhaftet und verbrachte 15 Jahre im Gefängnis. Er gilt als einer der bedeutensten türkischen Poeten.

zitiert aus: : Nachtgedichte an meine Liebste, buntbuch-verlag 1985, S. 29 und S. 42

 

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