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Kurzempfehlung: Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil

30. März 2011

Der Schriftsteller Arno Geiger hat ein sehr persönliches Buch über seinen demenzkranken Vater geschrieben. Er schreibt, um zu verarbeiten, zu durchdringen aber vor allem um kennen zu lernen und zu bewahren. Gekonnt verbindet er die Geschichte des Vaters, voller prägender Erlebnisse, die ihn zu dem gemacht haben, der er ist, mit der Gegenwart, den Besuchen des Sohnes beim Vater mit Demenz.

Das Buch ist die persönliche Geschichte einer Krankheit, aber auch Vater-Sohn-Geschichte und vor allem eine Geschichte vom Glück. Trotz Krankheit verbringen Vater und Sohn viele schöne Stunden, nähern sich wieder an und dieser charmante ältere Herr zeigt  stellenweise eine Lebensfreude, die einen mit dem Alter versöhnt.

Dem Leser tritt ein alter Mann gegenüber, der mit seinen Äußerungen, seinem Humor, seiner Würde, zeigt, dass die Krankheit ihn nicht besiegt hat. Denn sein Charakter ist trotz des Vergessens erhalten geblieben, immer noch hat er Freude an der Begegnung mit Menschen und spaziert lächelnd  und scherzend durch die Nachbarschaft. Natürlich gibt es auch dunkle Tage, voller Aggressivität und Verzweiflung.  Die Demenz bringt die Kinder und den Vater oft an ihre Grenzen. Geiger schreibt „“von der tiefen Heimatlosigkeit eines Menschen, dem die ganze Welt fremd geworden war“ (S.55). Doch dann sind da wieder die klaren Momente, der Krankheit abgetrotzt, die so wertvollen Sätze des Vaters, voller Poesie. Gemeinsam entdecken Vater und Sohn eine andere Wirklichkeit.

Ein beeindruckendes Buch, das die menschliche Seite der Demenz zeigt und eine Wiederannäherung von Vater und Sohn. Was wirklich wichtig im Leben ist und welche entscheidenen Erfahrungen einen  Menschen ausmachen, zeigt Arno Geiger am Beispiel der Geschichte seines Vaters.

Carl Hanser Verlag 2011, 188 Seiten fünf von fünf Herzen

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