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Brenna Yovanoff: Schweigt still die Nacht (ab 14/Allage)

2. März 2011

Gentry, eine kleine amerikanische Provinzstadt, ist die reichste, erfolgverwöhnteste Stadt in der Umgebung, doch sie hat auch eine Schattenseite. An die Haustüren nageln die Bewohner schützende Hufeisen, über die Kinderbettchen oder Wagen hängen sie Scheren und Schrauben, Hauptsache aus Metall. Alle sieben Jahre verschwindet in Gentry ein Kind, in dem Kinderbett liegt dann anstelle des Kindes ein Wechselbalg, das bald darauf verstirbt. Die Bewohner schweigen, als hätten sie sich mit dem Preis für den Erfolg ihrer Stadt arrangiert, als gehörten die toten Kinder alle sieben Jahre dazu.

Mackie ist bleicher als andere, seine Augen sind schwarz nicht braun. Sobald er Blut riecht wird er krank, bei der Berührung von Metall trägt er offene Wunden davon. Er muss immer auf der Hut sein nicht erkannt zu werden und muss jeden Tag mit der Angst leben, es könnte herauskommen, dass er kein menschliches Wesen ist, sondern ein Wechselbalg, der überlebt hat.

Brenna Yovanoff hat einen Roman geschaffen, in dem die alte Welt gleich nebenan wohnt, voller Wiedergängern, Untoten und Geistern. Das Schicksal der Unterwelt ist eng mit dem Schicksal der Stadt Gentry verzahnt und umgekehrt. Nur durch den Glauben der Bewohner von Gentry existieren die „Fabelwesen“, nur sie können ihnen sagen wer und was sie sind. Als Mackie herausfindet, woher er wirklich kommt und das Geheimnis der Stadt entdeckt, muss er sich entscheiden zu welcher Welt er gehören will. Denn schon wieder ist ein Kind verschwunden, diesmal die Schwestern seiner großen Liebe Tate.

Atmosphärisch erinnert „Schweigt still die Nacht“ an einen Film von Tim Burton, vor allem an „Corpse bride“. Voller liebevoller, sowie schräger Details schafft Brenna Yovanoff eine ganz eigene Unterwelt, in der Gut und Böse nicht ganz eindeutig zuzuordnen sind. In der die Untoten zum Beispiel eine Aftershowparty feiern und ausgestattet sind mit morbidem Charme.

Mir hat dieser Erstling gut gefallen vor allem wegen seiner Charaktere und der düsteren sowie originellen Atmosphäre. Er ist trotz des Settings kein Gruselroman, sondern eher eine Geschichte darüber seinen eigenen Weg zu finden. Besonders erwähnenswert finde ich die Bruder-Schwester-Geschichte, da Emmas Liebe, Mackie den Wiedergänger, am Leben erhalten hat.

Zum Ende nimmt die Qualität der Geschichte etwas ab, der Showdown ist etwas unglaubhaft, dass Mackie plötzlich Tate liebt ist nicht schlüssig und wie die Lady besiegt wird ebenso. Ein paar kleinere Mängel, die man einem sonst gelungenen Erstling gerne verzeiht. Ein trotz allem fesselndes Debüt, dass vor dem Hintergrund eines Grusel-Unterweltsettings, die Themen Identität, Akzeptanz und die Macht eigener Entscheidungen behandelt.

Script 5, 2010, 367 Seiten

4 von fünf Herzen

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