oben-rechts
mitte-rechts
unten-rechts

John Green: Margos Spuren (ab 14)

17. November 2010

Quentin ist eigentlich schon immer heimlich in Margo verliebt. In die wilde, mutige und leicht verrückte Margo Roth Spiegelman. In der Kindheit waren die beiden Nachbarskinder beste Freunde, doch in der Highschool haben sie sich schon seit langem aus den Augen verloren. Eines Nachts klopft Margo plötzlich an Quentins Fenster und entführt ihn zu einer verrückten Tour mitten durch die Stadt. Er wird Teil ihrer Racheaktion an ihrem Jetzt-Ex-Freund, an ihrer Freundin mit der er sie betrogen hat und an diversen anderen Leuten. Der schüchterne Quentin wächst in dieser wundersamen Nacht über sich selbst hinaus und bricht sogar mit Margo bei Seaworld ein. Doch am nächsten Tag ist Margo verschwunden.

Margo hat Spuren hinterlassen, einen Gedichtband mit markierten Stellen, eine Notiz an ihrem Fensterollo … und Quentin macht sich auf die Suche nach ihr, nach der schillernden, faszinierenden Margo, die er nicht vergessen kann. Er folgt jedem noch so kleinen Hinweis, sucht nach vergessenen Städten, verlorenen Orten und muss am Ende feststellen, dass er jemand ganz anderen findet.

John Green erzählt aber auch eine Freundschaftsgeschichte, denn Quentin ist nicht allein , seine zwei besten Freunde unterstützen ihn bei der Suche und schwänzen sogar ihre Schulabschlussfeier, um sich mit ihm auf einen Roadtrip zu begeben in Richtung Margos letztem Hinweis.

„Margos Spuren“ ist eine Freundschaftsgeschichte, eine kleine Liebesgeschichte aber vor allem die Enträtselung einer Person. Es geht um Lebensentwürfe, ums Ausbrechen aus dem „Plastikmädchendasein“, darum jemanden gehen zu lassen. Während seiner Spurensuche beginnt Quentin Stück für Stück die wirkliche Margo zu sehen, mit all ihren Rissen, Ängsten und Leidenschaften, und er muss sein Bild von ihr gründlich revidieren.

Zu Beginn hat mich der Roman sehr an „Eine wie Alaska“ erinnert: sensibler Junge schwärmt für unerreichbares, wildes Mädchen mit Geheimnis. Doch schon bald wird deutlich, dass „Margos Spuren“ eine komplett eigene Geschichte ist. Wieder begeistert John Green mit seinen vielschichtigen Charakterschilderungen von Jugendlichen, mit seinen gekonnten Dialogen, mal mit Humor, mal philosophisch. Er hat ein unglaubliches Talent kluge Gedanken und Lebenseinsichten so in eine fesselnde Geschichte einzubinden, dass sie ganz natürlich daher kommen und einfach stimmig sind. Auch „Margos Spuren“ ist wieder ein Buch von ihm, das bewegt, aufwühlt und nicht spurlos an einem vorbei geht. Denn nach dem Lesen verändern sich Sichtweisen, man sieht die Risse in den anderen Menschen bewusster und geht kritischer mit den Bildern, die man sich von anderen macht um.

Carl Hanser Verlag 2008, 331 Seiten

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.