oben-rechts
mitte-rechts
unten-rechts

Lauren Oliver: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (ab 14 Jahren)

7. September 2010

Für Samantha Kingston ist der 12 Februar der letzte Tag ihres Lebens,  ohne dass sie es ahnt. Eigentlich sollte es ein ganz normaler Valentinstag werden, doch dann ändert sich alles.

Samantha ist beliebt, Teil einer angesehenen Mädchenclique, ist mit dem schönen Rob zusammen und ist eigentlich eine ziemliche Zicke. Doch dann erlebt Samantha denselben Tag immer wieder, siebenmal wacht sie auf und durchlebt den letzten Tag ihres Lebens. Samantha verhält sich jeden dieser Tage anders, spielerisch geht sie an die sich wiederholenden Tage heran, tut Dinge, die sie seit Jahren nicht mehr getan hat. Zum Beispiel besucht sie ihren Lieblingsfelsen, der früher ihr sicherer Ort war. Sie hinterfragt ihre Freundinnen, sich selbst, begegnet Menschen neu, und entwickelt sich von Tag zu Tag von einer oberflächlichen Zicke zu einer Jugendlichen, die auf ihre innere Stimme hört, die lernt sich selbst zu vertrauen und die Menschen hinter den Rollen zu sehen.

Lauren Oliver ist mit ihrem Erstling ein tiefgründiges Jugendbuch gelungen, dass von der Idee, den Charakterzeichnungen  und dem lockeren Erzählstil durchweg überzeugt. Am Anfang hält man den Roman zunächst für einen belanglosen Teenagerroman, da ihre Freundinnen und sie wirklich kaum selbstverliebter und oberflächlicher sein können,  aber sobald Samantha zum ersten Mal ihren letzten Tag wieder erlebt, und beginnt die Menschen um sie herum anders zu sehen, ist man gefesselt und entdeckt immer mehr liebenswerte Seiten an ihr. Sie schaut hinter die Stempel und Rollen, die die Jugendlichen sich gegenseitig verpassen, hinter die Boshaftigkeiten und Machtspielchen. Bei Lindsay, ihrer besten Freundin und Anführerin ihrer Clique entdeckt sie Angst als Antrieb für ihre Fiesheiten. Oder von Tag zu Tag wird ihr klarer, wie oberflächlich eigentlich ihre Beziehung zu ihrem Freund Rob ist. Und dann ist da noch der, der sich wirklich für sie interessiert, der sich um sie sorgt, der sie hinterfragt, der der sie wirklich liebt, immer nur ein paar Schritte entfernt, doch sie braucht erst den Tag, der sich immer wiederholt, um ihn wirklich zu sehen.

Alles erzählt ohne pädagogischen Zeigefinger ohne moralische Belehrungen, die Wandlung die Samantha durchläuft ist glaubhaft, denn sie wird keine komplett andere.  Auch wenn sie ihre Freundin Lindsay entzaubert und ihre düstersten Geheimnisse kennt, ist sie immer noch ihre Freundin. Sie vollzieht keine 180 Grad-Wendung, sondern sie reflektiert mehr, entscheidet für sich selbst, achtet mehr auf andere und sieht wie viel Mut es kostet individuell zu sein. Unverkrampft, locker und unglaublich abwechslungsreich geschrieben,  taucht man ein in die Highschool-Welt, fast wie ein Film entsteht sie vor dem inneren Auge, man ist mittendrin im Abenteuer Teenagerleben.

Es geht darum was  Freundschaft ausmacht, und um das Heraustreten aus der gewählten oder aufgedrückten Rolle. Es geht darum, ob man jemanden retten kann.  Und es ist gleichzeitig eine wunderschöne Liebesgeschichte. In den kreativen, sanften, nach frisch gemähtem Gras duftenden Kent, habe ich mich gleich mitverliebt 🙂

Carlsen 2010, 445 Seiten

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.