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Michael Gerard Bauer: Running Man

27. Mai 2011

Der Erstling von Michael Gerard Bauer, hat mich genauso beeindruckt wie „Nennt mich nicht Isamel!“, wenn nicht  sogar  noch mehr. Ihm gelingt es die Themen Vorurteile, Trauma und Außenseitertum so gelungen umzusetzen, dass man kaum glauben kann, dass dies sein Debüt ist.

Joseph ist ein ängstlicher Jugendlicher, der am liebsten für sich ist und gerne zeichnet. In seinen Alpträumen taucht immer wieder eine Person aus seiner Stadt auf, der „Running Man“, wie er ihn für sich getauft hat, ein heruntergekommener Mann, der wie ein Getriebener läuft.

Als Josephs Nachbarin ihn bittet ihren Bruder zu zeichnen, will er erst ablehnen, gerade da über den komplett zurückgezogen lebenden Tom Leyton schlecht geredet wird. Doch dann geht er doch zur ersten Portätsitzung und trifft einen schweigsamen Mann in dessen Augen er Angst wahrnimmt. Joseph ist fasziniert von dem Geheimnis das Tom Leyton umgibt, und von den Begegnungen mit einem Menschen, der so ganz anders als alle bisher Getroffenen ist. Über Gedichte und über die gemeinsame Pflege von Seidenraupen freunden sich die beiden langsam an. Joseph lernt einen gebrochenen Mann kennen, den etwas Schreckliches verfolgt und der ähnlich wie der „Running Man“ vor etwas davon läuft, nur im inneren.  Durch seine Besuche bei Tom Leyton erfährt Joseph Stück für Stück was die Schuld mit einem Menschen machen kann. Im Gegenzug hilft er durch seine Anwesenheit ein Stück des „alten“ Tom Leytons zurückzuholen und ihn wieder  lebendiger wirken zu lassen. Tom Leyton hilft Joseph auch eine ganz andere Sicht auf den „Running Man“ zu gewinnen und insgesamt vorsichtiger zu sein mit vorschnellen Schlüssen über Menschen, wenn man nicht weiß, was  sie zu dem gemacht hat, der sie sind.

„Running Man“ ist ein leises, ruhiges Buch in dem aber wahnsinnig viel übers Menschsein und über das Verzweifeln daran steckt. Ein wahrlich besonderes Buch für jugendliche Leser ab 14 oder für jeden Erwachsenen, der sich von der Sprache und den eindringlichen Charakterentwicklungen begeistern lassen will. Diese Geschichte einer ungleichen Freundschaft birgt so viele Schätze, dass man seitenweise Zitate herausschreiben könnte. Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, dass die Achtung vor dem Anderen und seinen Abgründen so faszinierend bearbeitet.

Fünf von fünf Herzen

Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag 2007, 267 Seiten

auch als Taschenbuch im dtv 2009

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