oben-rechts
mitte-rechts
unten-rechts

Timothée de Fombelle: Tobie Lolness – Ein Leben in der Schwebe (ab 10)

18. Mai 2010

Eine riesige uralte Eiche, mal ein ganz anderer Ort für einen Fantasyroman. Bewohnt wird sie von den Baummenschen, Tobie Lolness, 13 Jahre und gerade mal eineinhalb mm groß, ist einer von ihnen. Erzählt wird seine abenteuerreiche und gefährliche Geschichte, auf der Flucht vor seinem eigenem Volk.

Sein Vater ein genialer Wissenschaftler will das Geheimnis hinter seiner neusten bahnbrechenden Erfindung nicht lüften, aus Angst sie könne zum Sterben des Baumes führen. Die Familie Lolness wird verfolgt und verhaftet, nur Tobie gelingt es durch ein Ablenkungsmanöver seines Vaters zu fliehen. Ganz auf sich gestellt versucht er dem mächtigen und brutalen Jo Mitch zu entkommen und gleichzeitig Pläne zu schmieden, um seine Eltern zu befreien.

Diese liebevoll entwickelte Baumwelt ermöglicht einem einen ganz anderen Blick auf Bäume. Sie fasziniert mit all den Details, wie das Leben als 1-2 mm große Menschen auf einem Baum, als Welt funktioniert. Die unterschiedlichen Ebenen des Baumes, die lichten Höhen oder die niederen Aste, wo es meistens dunkel und feucht ist, zeigen die ganze Vielseitigkeit der Baumwelt. Insekten sind Nahrung und Feind zugleich, der Baum ist voller Mooswälder und Regenseen. Besonders ist auch die bildhafte Sprache von Timothée de Fombelle, phantasievoll und manchmal voller Poesie. „eine in die Luft geschriebene Postkarte“, fand ich besonders schön.

Es ist eine Geschichte über Vertrauen, Verlust, Freundschaft und über Grenzerfahrungen. Tobie ist ideenreich, schlagfertig und sehr mutig, doch manchmal ist er auch an der Grenze zur Selbstaufgabe. Als er allein in einer Asthöhle für vier Monate eingeschneit ist und kurz davor aufzugeben, wird ihm bewusst, dass er ein Werk braucht, um zu überleben. Er beginnt ein riesiges Wandgemälde seines Lebens, um die Zeit herumzukriegen und nicht zu verzweifeln.  Tobie wächst mit jedem Abenteuer und als er bei dem Volk der „Hautlosen“ lebt, erfindet er sich selbst neu.

„Tobie Lolness“ ist ein unglaublich spannendes Buch und gleichzeitig voller kluger Gedanken und Ideen. So sagt Tobie zum Beispiel zu seinem Bekannten Mano, als sie in einem Spinnennetz gefangen sind: „Wenn man in großer Gefahr schwebt, so wie wir jetzt, muss man ein Versprechen geben. Unsere Chancen hier rauszukommen, sind so gering, dass wir auch ernste Dinge versprechen können…“ S.189 Dieses Versprechen ändert hinterher Manos Leben.

Neben der ungewöhnlichen Welt in der Tobies Abenteuer spielen, sind es die Charaktere selbst, die das Buch zu einem besonderen Fantasyroman machen. Die geheimnisvolle, eigenwillige Freundin Elisha, die so ganz anders ist als Tobie, aber genauso mutig.  Der wandlungsfähige Freund des Vaters Zef, der mit Worten verzaubern kann,  Mano, der sich ein ganzes Leben zurechtlügt, oder der schwächliche Nils, der Tobie das Leben rettet und seinem harten Vater zeigt, was wirklicher Mut ist.

„Tobie Lolness“ macht süchtig nach mehr. Zum Glück gibt es ja noch einen zweiten Band, denn Tobie, Elisha und die anderen lassen eine nicht so schnell los.

dtv 2010, 405 Seiten

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.